ms-mer
Hallo,
da ich ja in den letzten Wochen insgesamt 3 schöne Schmuckstücke ostgermanischer Röhrentechnik erstehen konnte, hab ich begonnen, mich in die Materie der Reparaturen einzulesen. Auch wenn HF-Technik zunächst weiterhin jenseits meines Detail-Verständnisses bleibt, bin ich im NF-Sektor schon um viele Antworten reicher. Allerdings bleiben einige Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe. Eine davon ist diese:
Die grundsätzliche Funktion der Netzteil-Elkos zum Puffern und "Auffüllen" habe ich verstanden, nicht verstanden habe ich jedoch die doppelte Kapazitätsangabe auf den Teilen (50/100 µF) und die nötige Dimensionierung. Könnten die zum Beispiel gegen (öfters angebotene) 50/50 (NSW-Produktion) ersetzt werden und wenn ja, warum? Oder warum nicht?
Die Spannungsfestigkeit ist bei solchen Konsensatoren mit 385V angegeben, höhere Spannungsfestigkeit ist sicher unproblematisch, ich hab aber auch schon Teile mit 250 Volt-Angabe zu diesem Zweck gesehen. Wäre ein solcher Elko zu knapp bemessen?
Bevor die Zeigefinger kommen - mir gehts nicht ums Draufloslöten, sondern ums Verständnis.
Danke für Eure Hilfe, Gruß Marco
Wolle2
Hallo Marco.
Elkos dienen zur Siebung der gleichgerichteten Anodenspannung, wie Du richtig geschrieben hast. Die Spannungsfestigkeit muß hier bei 385 Volt liegen, ein Elko mit 250 Volt würde durchschlagen und Kurzschluß machen. Liegt die Wechselspannung an der Trafowicklung höher, können Elkos mit 450/ 500 Volt eingesetzt werden. Überschlägig wird die Wechselspannung mit dem Faktor 1,4 multipliziert, um die minimale Spannungsfestigkeit zu ermitteln. Bei 220 Volt Wechselspannung wären das etwa 310 Volt. Diese Spannung wird erreicht, solange die Röhren noch nicht aufgeheizt sind.
Elkos mit der Beschriftung 50 und 50 µF sind Mehrfachelkos. Hier sind in einem Becher zwei Elkos enthalten. Diese gibt/ gab es auch als Dreifach- oder Vierfachelko mit unterschiedlicher Kapazität im NSW- Gebiet. In der DDR wurden nach meiner Kenntnis nur Doppelelkos hergestellt. Auch hier können notfalls Einzelelkos eingebaut werden.
Mit vielen Grüßen.
Wolfgang
ms-mer
Hallo Wolfgang,
danke, das hilft mir weiter. Eine Frage noch zur Mehrfachbestückung: Sind die Kondensatoren innerhalb des Bechers parallel geschaltet so daß sich ihre Kapazitäten addieren? (Will heißen: Hat man es damals so gelöst, weil höherkapazitive Kondensatoren nicht verfügbar waren?)
Gruß Marco
kampfruderer
Hallo Marco,
das war eine konstruktive Frage: Man hat in einem Becher mehrere Elkowickel untergebracht und die Pluspole separat herausgeführt. Damit konnte man prima eine Siebkette aufbauen und mußte aber nur einen Becher montieren (einfachere Fertigung!!).
Viele Grüße
Christian
ms-mer
Danke. Hab es mir gerade an einem Netzteil angeschaut und das Prinzip nun kapiert.
Grüße Marco
oenkel
| Zitat: |
Original von kampfruderer
Hallo Marco,
das war eine konstruktive Frage: Man hat in einem Becher mehrere Elkowickel untergebracht und die Pluspole separat herausgeführt. Damit konnte man prima eine Siebkette aufbauen und mußte aber nur einen Becher montieren (einfachere Fertigung!!).
Viele Grüße
Christian |
Habe mal bei einem ambitionierten restaurateur eine interessante reparaturvariante gesehen:
Da die Elkos heutiger Bauart ganz wesentlich kleiner zu haben sind und unter Umständen auch mit höhreren Kapazitäten hat er die nostalgischen "Becher" einfach entleert, moderne Elkos hineingepackt und wieder mit den original Deckel und den Anschlüssen versehen, so daß das gerät dem Anschein nach wieder original aussah.
Fand ich recht clever.
ms-mer
Davon hab ich bei "Jogis Röhrenbude" gelesen. Ich finde auch, gerade wenn man so "offensichtliche" Bauteile tauscht, ist ein wenig "Mimikry" angebracht, um den originalen Charakter im Groben zu erhalten. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, z.B. ersetzte Teerkondensatoren wieder zu verglasen und zu verschmieren... So ein Radio hat Geschichte und dazu gehört auch der Ersatz von Verschleißteilen.
Gruß Marco
Purzel
Mir würde es trotzdem wehtun,in eine Göbbelsschnauze oder Rembrandt bunte Legosteine von Wima reinzubomben.
Ich nehme gelbe,axiale MKT mache sie schwarz ,oder stopfe sie in Originalhülle. Den Rembrandt habe ich größtenteils mit 50 Jahre alten Sikatrops (unkaputtbar) restauriert,wie sie auch im Smaragd und diversen Meßgeräten von Zwönitz, Fw-Kölleda Verwendung fanden.
Schraubelkos habe ich noch neue und gebrauchte ,die geprüft und formiert auf Verwendung warten,teilweise fast 60 Jahre und keinesfalls altersschwach ,aber 20jährige Rödelsteine kann man ungesehen dem Recycling zuführen.
Die braunen Teerelkos mit Hochheitszeichen vom DKE38 höhle ich aus und setze einen neuen,HOCHWERTIGEN Elko mit 10µ/450V ein .
Vor die VY2 wird ein Widerstand von 150Ohm gelegt um die seltene,teuere Röhre zu schonen.
Als Ersatz und für Reparaturen setze ich einen Sockel der VY2 mit
600 Ohm 4W ,(Ersatzwiderstand für Hzg.)+
250 Ohm/1W und 1x1N4007 ein.
Gruß Purzel
Steffen
Hallo,
eines sollte man aber bei solcher aufwändig gemachten Restaurierung noch tun:
Hinweis im Gerät anbringen, welche der Cs moderne im alten Gehäuse sind, irgendwann weiß man es selbst nicht mehr oder ein anderer restauriert das Gerät aufs neue, sucht einen Fehler o.ä. und wirft dann die schönen "gepimpten" Cs prophilaktisch raus, da er über das gänderte Innenleben nicht Bescheid weiß.
CU
Steffen
kampfruderer
Hallo Oenkel,
das habe ich auch schon gelegentlich gemacht. Z.B. Wobbelgenerator WG1 vom WF. Da war es aus Platzgründen nötig, die Originalelkos wieder auszustopfen, außerdem ist dieses Gerät derart perfekt aufgebaut, da wäre Flickwerk einfach nur unschön gewesen.
Gruß
Christian
OC923
| Zitat: |
Original von Steffen
Hallo,
eines sollte man aber bei solcher aufwändig gemachten Restaurierung noch tun:
Hinweis im Gerät anbringen, welche der Cs moderne im alten Gehäuse sind, irgendwann weiß man es selbst nicht mehr oder ein anderer restauriert das Gerät aufs neue, sucht einen Fehler o.ä. und wirft dann die schönen "gepimpten" Cs prophilaktisch raus, da er über das gänderte Innenleben nicht Bescheid weiß.
CU
Steffen |
Hallo Steffen,
soweit so gut , mache ich auch aber wenn ich ein Gerät restauriere , nicht nur repariere, haue ich garnichts prophylaktisch heraus. Es soll ja möglichst original bleiben.
Ich weiß jeder hat da seine eigenen Ansichten, wie weit man gehen sollte, aber das steht hier nicht zum Thema.
Ich halte es so: Fehler suchen - Kondensator vorübergehend durch irgendeinen Neuen ersetzen, und dann erst versuchen den C zu regenerieren und wenn nicht möglich neu befüllen und dann wieder einsetzen. Das vermerke ich mir dann in meinen Unterlagen .
Zur Zeit versuche ich gerade die schwarzen Freikos aus meinem Rubens zu regenerieren. Bei Einigen 1nF bis 25nF ist es mir schon gelungen die Isolationswiderstände von einigen kOhm bis 100kOhm auf über 20...50MOhm zu bringen und an den Stellen wo das reicht wieder einzusetzen. Ein paar habe ich vorsichtshalber neu befüllt (Booster-C, Koppel-C). Und Einige sind noch in Arbeit.
Mehr darüber wenn ich fertig bin.
Viele Grüße
Bernd