andi95
Hallo zusammen,
es geht um das Chassis aus einem Peter Studio 152.
Am Wochenende habe ich die verdächtigen Kondensatoren in der Endstufe getauscht. Im Funktionstest hat danach alles funktioniert, ich konnte UKW-Sender empfangen und hören. Danach habe ich hoffnungsvoll alles umgeräumt und später wieder angeschaltet. Es lief auch wieder und ich konnte auch den Ton meines angeschlossenen Fernsehers hören.
Aber: nach ca. 30 Minuten war es dann ruhig, beide Kanäle machen seitdem keinen Mucks mehr. Wenn ich UKW eingeschaltet habe, sehe ich, dass die Senderabstimmung noch funktioniert, die magischen Augen verändern sich. Die Heizfäden aller Röhren glühen, nur bei den ECC83 kann ich es nicht sehen, da sie in Metall gewickelt sind.
Wenn ich an Lautstärke, Balance, Höhen oder Tiefen drehe hört man nichts, kein Kratzen, kein Rauschen, kein Brummen. Was mich wundert, dass beide Kanäle gleichzeitig weg sind, ohne Verabschiedung. Es hat auch nichts geraucht und es riecht auch nichts komisch
Habt ihr vielleicht Ideen, woran das liegen könnte? Wonach ich schauen könnte?
Goofi
Hallo,
Anoden- und Heizspannung liegen ja offensichtlich an.
Hast Du die Möglichkeit, die Stromaufnahme des Chassis zu messen?
Ich hoffe mal, dass Du geeignete Kondensatoren mit ausreichender Spannungsfestigkeit (Koppel-C mind. 400V DC!) eingebaut hast.
Wenn nicht hat es möglicherweise die EL84 (und evtl. sogar die Ausgangsübertrager) gekillt
Aber vielleicht ist es nur ein einfaches Kontaktproblem mit dem Anschluss der Lautsprecher. Was mich aber dann wundert ist, dass es auf beiden Kanälen gleichermaßen auftritt.
VG René
TKOFreak61
Hallo Andy,
hast Du auch mal den Stereo-Dekoder überprüft? Liegt da die 200V-Spannung an? So wie Du es beschreibst, funktionieren Tuner und ZF.
Nach dem Demodulator wird das Signal auf den Stereo-Dekoder geschaltet und von dessen Ausgang werden über Kontakte des Tastenschalters und den Lautstärkeregler die jeweils 1. Systeme der ECC 83 angesteuert. Da beide Kanäle "streiken", ist entweder etwas mit dem Stereo-Dekoder oder der Tastenschalter hat einen Fehler.
Den NF-Verstärker könntest Du mit der "Brumm-Methode" prüfen. Dazu mit einem Schraubendreher an die Eingangsseite des Lautstärkereglers tasten, es sollte dann laut brummen, wenn der NF-Teil i.O. ist. Wenn nicht, dann, wie von René schon empfohlen, die Spannungen prüfen.
Der schlimmste Fall wäre, dass durch falsche oder defekte Koppelkondensatoren die Endröhren oder die AÜs "gestorben" sind.
Gehen wir mal nicht vom schlimmsten Fall aus und es ist "nur" die Spannungsversorgung des Dekoders oder der Röhren ausgefallen.
Beste Grüße
Jürgen
andi95
Danke für eure Antworten
Die Kondensatoren haben alle 630V, im Schaltplan waren die meisten auch mit 630V, einer mit 250V angegeben.
Den Stereodekoder kann ich mir mal anschauen, den hatte ich bislang nicht angefasst. Möglich, dass da was rausgerutscht ist, als wir das Chassis beim Löten nach hinten gekippt haben. Aber ich dachte, dass er nur für UKW notwendig ist? Auch alle anderen Quellen geben keinen Ton von sich...
An der Stereoanzeige kann man zumindest auch sehen, ob der Sender mit Stereosignal empfangen wird oder nicht.
Alles andere muss ich später versuchen, weil ich dazu auch den Trafo ausbauen muss, um richtig messen zu können. Da wird mir diese Woche die Zeit fehlen.
Goofi
Hast Du ein sog. Energiekosten-Messgerät? Damit lässt sich ohne Ausbauen etc. direkt am Netzstecker die Leistungsaufnahme messen.
Wenn Du mit dem sog. "Brummfinger" (Finger auf Schraubenzieher-Klinge) an die Steuergitter der EL84 (oder an einen Anschluss des 10k-Schwingschutzwiderstands R134) tippst muss es deutlich im jeweiligen Lautsprecher brummen.
Den Dekoder hatte ich ausgeschlossen, da ich schon annahm, dass Du externe Quellen getestet hast.
VG René
andy62
Die Sache mit dem Brummfinger am Gitter ist mit Vorsicht zu genießen. Vor allem bei einem durchgeschlagenen Koppelkondensator.
Hier sollte man noch einen neuen Kondensator zw. Finger und Gitter schalten.
Grüße,
Andy
RPF
die ES bekommen über einen 2W 125 Ohm Widerstand ihre Anodenspannung, der geht gern kaput.
Hast du auch die vier 50µF 385V Elkos erneuert ?
Rolf
andi95
ich hab so eine smarte Steckdose, die auch die Leistungsaufnahme misst. Sie sagt, dass das Gerät aktuell ca. 92 W zieht (meint aber auch, es kämen 267V aus der Steckdose). Bei 230V und den 0,36A würde es den erwarteten ca. 80W entsprechen.
Im Moment haben wir nur Kondensatoren in den Endstufen getauscht, laut diesem Schaltplan
Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar sind es:
C140
C144
C145
C148
Die waren noch aus Papier und sahen verdächtig aus. Andere waren schon aus Kunststoff und wurden früher schon einmal getauscht.
andi95
Das Rema 2072 daneben hat die gleiche Leistungsaufnahme
Dietmar-Klaus
Hallo Andy
Wenn absolut nichts aus den Lautsprechern zu hören ist, und das magische Auge ausschlägt, kann doch eigendlich nur die Spannung an den Endröhren fehlen . Ich würde an R160 / C161 mal messen, ob Spannung anliegt.
MfG. Dietmar
Goofi
Am besten zunächst den Tipp vom Rolf befolgen.
Dazu muss R160 nicht mal ausgelötet werden. DMM im Ohmbereich dran und einfach ablesen. Möglicherweise hat C161 einen Kurzschluss gemacht, aber dann hätte man den R160 eigentlich riechen müssen...
@anderer Andy:: Der Brummfinger geht so selbstverständlich nur bei funktionierenden Koppel-C. Aber die wurden ja soeben erst gewechselt
VG René
IngoR
Hallo,
hier die Serviceunterlagen 2070-2072. Den Stereodecoder habe ich mir von den Antonio-Unterlagen (Goldpfeil) ausgeborgt.....
Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar$/
Viele Grüße
Ingo
RPF
Die Netzteil Widerstände sind die braunen Zementierten Widerstände, die verabschieden sich geruchlos, oder löten sich nur aus.
Rolf
Goofi
Bei 100mA würde R160 1,25W umsetzen. Im Rema 207x hat man den Anodenstrom der beiden EL84 auf je 37mA o. ä. begrenzt, dann dürfte er im Normalfall nicht abrauchen. Auch nicht geruchlos.
Es muss also ein Fehler vorliegen. Möglicherweise C161 oder ein oder beide EL84-Gitter ist/sind aus irgendeinem Grund positiver aufgeladen als erlaubt. Dies soll auch bei verschlissenen Röhren vorkommen.
Es kann durchaus sein, dass sie durch die alten Gitterkondensatoren (Gewaplast oder Goldstücke?) gelitten haben, wenn das Gerät längere Zeit so betrieben wurde.
VG René
EDIT PS: Andy, ich geh mal davon aus, dass Du keinen Zugriff auf ein Röhrenprüfgerät hast. Dann kannst Du Folgendes versuchen. Steck Deinen 2072 über den Leistungsmesser an, notiere Dir den Verbrauch, nachdem er richtig warmgelaufen ist. Steck dann die EL84 aus dem defekten 2070-Chassis rein und beobachte. Wird dann der Verbrauch um mehrere Watt höher und steigt er über längere Zeit an sind die EL84 vermutlich defekt.
andi95
vielen Dank für die vielen Antworten!
Wie schon gesagt, muss ich das Gerät bis Ende nächster Woche allein lassen, kann also erst dann wieder gucken und ggf. messen.
Als ich die Leistungsaufnahme gemessen habe bin ich auf fast die gleichen Werte wie beim Rema 2072 gekommen. Ich hatte es auch so 20 Minuten laufen, und die Leistungsaufnahme ging mal 1W hoch oder runter, aber es ist nicht beständig angestiegen.
Ich melde mich dann, sobald ich dem Gerät wieder Liebe zukommen lassen konnte
Viele Grüße
Andi
Goofi
Hallo Andy,
Wenn die Leistungsaufnahme sich so ähnelt kann es nicht am Widerstand R160 liegen. Wenn der unterbrochen ist sinkt der Verbrauch drastisch um fast 20W.
Mach (wenn es soweit ist) bitte mal die Brummprobe wie von Andy62 beschrieben.
VG René
andi95
Endlich hatte ich wieder etwas Zeit, mich mit dem Gerät zu beschäftigen.
Und hier die Auflösung: Ich habe die ECC83-Röhren getauscht, und schon geht es wieder.
Ein wenig schleierhaft ist mir, warum beide Kanäle gleichzeitig still waren. Kann ein Defekt einer Röhre dazu führen, dass die andere keinen Strom bekommt?
RPF
wenn beide Kanäle nicht mehr gehen liegt das sicher nicht an einer ECC83, da sind sicher Kalte Lötstelle auf den NF Platinen, durch das wechseln der Röhren hast du wieder Kontakt hergestellt, aber den Fehler nicht beseitigt.
In diesen REMA Gerät muss man in der Regel alle Röhrensockel und Kontakte neu verlöten.
Rolf
Frank Hennebach
Hallo ,
genau so ist das ... 2 Röhren gehen niemals genau gleichzeitig kaputt - das wäre ein dummer Zufall .Und bei den ECC merkt man das meist beim "anklopfen" , daß die dann plötzlich wieder gehen . Ich tippe auch auf kalte Lötstellen . Röhrenfassungen und Lötösen sind bei den Kisten zu gerne locker und nehmen oft nur widerwillig Zinn an

! Man muß da oft richtig drauf herum kratzen, bis das versilberte Zeug mal Zinn annimmt .
Das originale 2070-er Chassis klingt aber meiner Meinung nach total dünn und kann eigentlich - zumindest NF-mäßig - mit den Goldpfeilen mithalten, wenn man einiges an Werten ändert . Ich baue da immer einiges um und dann kommen HIFI-Klänge aus den Kisten ! Das hätten die früher in den 1960-er Jahren ohne mehr Materialeinsatz auch schon haben können ...
Die haben die Kiste bei REMA total gedrosselt, sowohl in der Ausgangsleistung als auch im Frequenzgang, obwohl es das großzügige Netzteil lässig hergibt. Auf UKW-Stereo ist mit Bass gar nix los - kein Wunder, wenn die beiden NF-Signale über einen Hochpass (3-nF-Koppel-C

) erst in den Verstärkerteil gelangen . Wozu sollen diese Kondis gut sein ?

Die beiden Dinger brücken bringt schon einiges an Punkten . Auch der Nachfolger mit Transistor - NF Allegro 82 hat die 3-nF-Kondis am Dekoderausgang noch drin - wozu ? Völlig sinnlos ...
Auch die EL 84 sind gedrosselt auf 2,5 W - gut das haben die vielleicht wegen der kleinen Boxen gemacht . Aber auch in Peter-Tonmöbeln mit 6VA-Ovalis drinn , ist das 2070 -er Chassis genauso gedrosselt - warum ? Die Lautis stecken die vollen 4,5 Watt lässig weg !
war schon manchmal komisch ...
Viele Grüße
Frank