Matthias
Hallo,
Ich bin gerade dabei meinen SD3935 neu einzustellen und habe dafür einige sehr interessante Hinweise hier im Forum gefunden. Zu nachfolgendem Problem bin ich mit der Suchfunktion aber nicht fündig geworden
:
Wird der Tonarm während des Abspielens mit der Liftfunktion angehoben und dann wieder abgesenkt, setzt die Nadel etwas versetzt in Richtung Plattenrand auf. Ursache ist meiner Meinung nach eine nicht funktionierende Tragarmbremse, denn nur während der Liftfunktion (und in der Stopp-Stellung) wird diese Bremse angezogen. Ich kann diese Bremse aber nicht justieren, da der Belag (EDV-Nr. nach SA 62 0 1023) für die Tragarmbremse in meinem Gerät fehlt. Auch bei einem Spender-Antrieb fehlt dieser Belag.
Im Gerät habe ich eine grünes Stück Iso-Schlauch Ø6 x 0,2 mm ca. 2,5 mm breit gefunden. Am Halter für den Belag ist ein kleiner Rest grünes Material.
Nun meine Fragen:
- Könnte dieses Stück Iso-Schlauch der Belag für die Tragarmbremse gewesen sein. Sieht aber eher nicht nach original aus.
- Welche Empfehlung gibt es, so einen Belag selbst herzustellen (Velour-Papier evtl. doppellagig, dünner Streifen Filz, Iso-Schlauch oder Schrumpfschlauch) oder hat jemand einen originalen Belag abzugeben?
- Ist dieser Belag der Tragarmbremse vlt. in der Serie entfallen, da nur für die Lift-Funktion benötigt und beim Abspielen einer Platte eher nachteilig ist, wenn die Bremse nicht exakt justiert ist und beim Abspielen noch leicht schleift.
Tschüss, Matthias
Matthias
Hallo,
leider keine Antwort bekommen. Habe zwischenzeitlich etwas probiert und mir als Beläge für die Tragarmbremse 5mm x 20mm große Streifen aus Bastelfilz (0,2mm dick), Allzwecktuch von Rossmann (0,5mm dick) und Bodentuch von Schlecker (1mm dick) angefertigt. Der der Spalt für die Aufnahme des Belags der Tragarmbremse beträgt 1mm und der 1mm dicke Belag aus dem Bodentuch hat am besten gepasst. Auch das 0,5mm Allzwecktuch hat prinzipiell funktioniert, die Bremswirkung beim Anheben des Tonarmes setzt aber später ein.
Die Tonarmbremse wirkt aber nicht direkt auf den Tonarm, sondern auf die Blende für die Endabschaltung, in der auch der Absenkstift geführt wird. Über diesen Absenkstift wir die Bremsung auf den Tonarm übertragen. Der Absenkstift hat 0,3mm Spiel in der Blende. Durch die Hebelverhältnisse am Tonarm werden daraus 3mm Spiel an der Nadelspitze. Genauer geht die Bremse also bei diesem Dreher nicht.
Bei der Arbeit an dem Dreher sind mir aber noch weitere Eigenheiten aufgefallen.
- Der Versatz beim Heben und Senken des Tonarms war nicht reproduzierbar und teilweise größer als die 3mm an der Nadelspitze.
- Die Skatingkraft ließ sich nach der üblichen Methode mit einer Folie nicht einstellen. Selbst bei ausgebauter Skatingkraftkompensation (Federdraht ausgehangen) wird der Arm beim Aufsetzen auf der Folie durch die Sakatingkraft nicht ausgelenkt. Alles deutete auf eine Schwergängigkeit des Armes hin.
Ich habe das vertikale Tonarmlager auseinander gebaut, um es von evtl. alten Fetten zu reinigen. Lager war sauber. beim Zusammenbau ist mir aber Aufgefallen, dass die Achse nicht auf dem unteren Lagerbund aufsitzt, sondern auf einem Zapfen am oberen Rand des Lagers (siehe Fotos). Dieser Zapfen dient mMn dazu, dass der Tonarm nicht nach oben aus dem Lager gezogen werden kann und sollte sich vermutlich in der Mitte des horizontalen Spaltes bewegen und keinen Kontakt mit der Biegefeder haben.
edit: Zu Ursache und Fehlerbeseitigung siehe nächsten Post! Das breiter Feilen des Schlitzes sollte nicht erfolgen!
Die Oberseite des Zapfens war entsprechend zerkratzt. Der Tonarm war schon Herstellerseitig falsch montiert. Ein klassischer verdeckter Mangel im wortwörtlichen Sinne.
Der Zapfen stand exakt 1mm zu hoch bezogen auf die Mitte des Spaltes. Da der Zapfen nur 1mm dick ist habe diesen nicht abgefeilt, sondern den Spalt um 0,6mm breiter gefeilt, so dass 0,1mm Spiel bleibt. Der Tonarm läuft jetzt wesentlich besser aber immer noch nicht richtig befriedigend.
Wie kommt so ein Fehler zustande? Der Schaft mit dem Zapfen ist in das untere feststehende Lager eingeklebt. Entweder ist dieses Oberteil mit dem Zapfen beim Einkleben nicht tief genug eingepresst worden oder beim Einkleben ist eine ca. 1mm dicke Lagerplatte vergessen worden. So wie es momentan ist, läuft die Stahlachse auf einen Lagerbund aus ABS.
Die exakt 1mm Maßabweichung und die so nicht optimale Materialpaarung des Lagers deuten eigentlich auf einen fehlenden Lagerbund hin.
Ich werde jetzt noch versuchen
- das Lager mit Silikonfett zu schmieren (ich nehme dafür bisher noch alte Cenupaste aus DDR- Zeiten, gibt aber bestimmt jetzt Besseres)
- sehen, ob ich geeignete U-Scheiben finde, die ich als Lagerbund unterlege kann, so dass sich eine Lagerpaarung Stahl auf Stahl ergibt.
Tschüss, Matthias
Matthias
Hallo,
der Dreher geht wieder, oder fast wieder.
Zunächst muss ich mich berichtigen. Die zu tief sitzende Achse des vertikalen Lagers habe ich selbst verursacht. Die Achse lagert auf einer Stahlkugel, die sich in einer Bohrung in der Mitte des Lagers befindet. Beim Auswaschen des Lagers mit Isopropanol hat sich mit dem verharzten Fett auch die Kugel gelöst, die ich dann unbemerkt mit dem verunreinigten Iso ausgegossen habe. Habe die Kugel aber noch auf dem Werktisch gefunden.
Also, wer auch so eine tief sitzende Achse wie auf den Fotos in 2. Post vorfindet, nicht – wie dort vorgeschlagen - den Schlitz breiter feilen! Fehlende Stahlkugel (Ø 2mm) im Lager ersetzen! Gibt’s bei Ebay auch in kleinen Stückzahlen.
Nachdem nun das Lager leichtgängig war, zeigte sich das nächste Problem: Bei den Tonkopfkabeln sind wahrscheinlich die Weichmacher verflüchtigt. Wenn ich bei ausgebauter Blendenscheibe (so dass weder die Tonkopfbremse noch die Skatingkraftkompensation wirkt) den Tonkopf mit dem Tonarmgewicht in Waage bringe und über den Plattenteller schwenke, ziehen die Kabel den Arm in die Stop-Position. Die Position, in der die Kabel in den vergangenen 30 Jahren steif geworden sind. Überhaupt lässt sich durch Herumbiegen an diesen Kabeln die Einstellungen des Tonarms stärker beeinflussen als mit den eigentlichen Einstellelementen.
Beim Heben und Senken des Armes mit den Tasten “Lift“ und “Start“ führt die Nadel statt einer linearen eine elliptische Bewegung aus. Offenbar drücken die Kabel einseitig auf die Biegefeder als Horizontallager.
Ich habe keine solches Kabel, nur einen Ersatztonarm für einen Granat. Obwohl älter fühlen sich dessen Kabel etwas elastischer an.
Bisher war dieser Thread ein reiner Monolog meinerseits, vielleicht gibt’s aber noch ein paar Antworten auf diese Fragen:
- Bringt ein Austausch der Kabel etwas bzw. hat das schon jemand gemacht. Was für ein Kabel sollte man nehmen? Oder sind die beschriebenen Probleme Schwachpunkte dieses Players. Er hat ja keinen guten Ruf.
- Kann jemand bitte ein Foto von der Führung der Kabel am Tonarmlager (von hinten) posten. Mein Player könnte auch verbastelt sein.
- Gibt es einen Trick, wie man an den Einstellregler für die Kanalgleicheit auf der Entzerrerplatine kommt?
- Das Absenken des Armes ist mit einer Art mit Silikonöl gefüllter Hydraulikkupplung gedämpft.
Hat das Öl schon jemand gewechselt und bringt das was? Was für Öl wird empfohlen?
Tschüss, Matthias
Steffen
Hallo Matthias,
um den Monolog mal zum Dialog zu machen:
Ja, die Kabel verhärten manchmal, kennt man ja auch von div. MA-Chassis oder R160 usw. Tauschen ist nur sinnvoll, wenn sie die Beweglichkeit des Tonarmes einschränken.
Wie Du die Kanalgleichheit einstellst? Du legst auf das geöffnete Gerät den Plattenteller auf mit Meßschallplatte und steckst vorsichtig den Tonarm auf und kannst dann die Kanalgleichheit einstellen. Hab jetzt kein Gerät vor mir, könnte sein, daß auch unten in der Bodenwanne ein Einstellloch ist, aber von oben geht es bequemer.
Steffen
Matthias
Hallo Steffen,
danke für die Antwort.
Das Problem bei der Einstellung der Kanalgleichheit ist, dass die Bauelementeseite mit dem Einstellregler nach unten zeigt und unter dem Einstellregler keine Bohrung in der Leiterplatte ist, dass mann auch von der Leiterzuseite ran kommt. So ist das auch auf der Zeichnung der Leiterplatte in der Serviceanleitung. Und in der Bodenplatte ist auch kein Loch wie für die Drehzahleinstellung bei der DA- Leiterplatte.
Ich werde versuchen, an der Stelle des Einstellreglers ein Loch in die Leiterplatte zu bohren. Ich möchte aber nicht wieder voreilig "zerspanereisch" an das Gerät gehen.
Tschüss, Matthias
Steffen
Hallo Matthias,
stimmt, hab mir gerade mal ne Platine angesehen, die hat gar kein Loch zum Durchstecken. Das ist ja doof.
Und in der Bodenwanne ist auch keines? Für den DA und die Geschwindigkeit sind ja Einstellöffnungen da.
Aber es gibt ja die Akkubohrmaschine
Steffen
Matthias
Hallo,
so jetzt spielt der Dreher so wie ich will. System noch neu ausgerichtet und Kanalabgleich vorgenommen.
Ich denke, die Ursache für die problemartige Tonarmbewegung gefunden zu haben. Nun lässt sich die Skatingkraft einstellen, der die Nadel senkt senkrecht ab, nur beim Abheben zieht sie ganz leicht nach außen, was mit der Toleranz des Führungsstiftes in der Blende erklärbar ist. Insgesamt ist die Tonarmbewegung harmonisch und ich bilde mir ein, der Klang hat sich auch deutlich verbessert.
Auf die Lösung bin ich mit „forensischen“ Methoden gekommen. Die Tonarmkabel waren an der Unterseite des Lagerfußes mit zwei Klebestellen fixiert. Aber hier waren deutlich sichtbar zwei unterschiedliche Kleber verwendet worden. Aber warum sollte der Hersteller unterschiedliche Kleber verwenden? Nach genauem Betrachten der Klebstelle mit der Lupe hatte ich den Eindruck, dass die Fixierung an dieser Stelle (siehe Foto, Pfeilspitze Kleber bereits entfernt) nachträglich erfolgt ist. Ein Lösen dieser Klebestelle brachte bereits Verbesserung. Erst die penible Entfernung der Kleberreste an Kabeln und Bodenplatte, so dass die Kabel leicht aneinander gleiten können, führte zum Erfolg. Ich vermute die Kleberreste wirkten sonst wie Widerharken.
Ich vermute schon eine Weile, dass der Tonarm verbastelt war, nur fehlte mir ein Vergleichsgerät, um zu sehen was genau verbastelt wurde. Ich weiß zwar nicht, ob das so jetzt 100%ig original ist, aber es funktioniert einwandfrei. Neue Kabel einzubauen hätte sicher keinen Erfolg gebracht, denn ich hätte entsprechend der Vorlage auch wieder dort geklebt.
Ein derartiger Fehler ist aber auch kein “geeignetes“ Problem, für eine Forenanfrage. Wer noch kein derartig verbasteltes Gerät unter seinen Händen hatte, kennt dieses Problem nicht und kann auch meine Frage nicht nachvollziehen. Und wer erinnert sich an so ein feines Detail der Kabelverlegung und sieht einen Zusammenhang mit dem angefragten Problem.
Ich bin jedenfalls mit dem jetzt zügellosen Tonarm zufrieden. So soll er bleiben.
Tschüss, Matthias