Granat 227-2 hat derbe Gleichlaufprobleme

KB100
Hallo Leute und Fachleute,

mein Granat regt mich auf. 45er Platten spielt er ohne zu mucken. Habe jetzt extra mal Maxi-Singles abgespielt (wegen der längeren Laufzeit gegenüber der normalen Single) und dabei darauf geachtet, dass die Endabschaltung nicht eingreift, sondern die Platten "fliegend" gewechselt. Alles, um eine möglichst lange ununterbrochene Betriebsdauer zu provozieren. Alles gut.
Lege ich eine 33er LP auf, beginnt meistens nach etwa 15 Minuten die Drehzahl extrem zu schwanken. Mit Glück auch erst bei der 2. Plattenseite.
Es ist dann ein ständiges auf und ab bis fast zum Stillstand und dann wieder hoch zur Nenndrehzahl. Die Schwankungen sind kurz, etwa nur eine Plattendrehung.
Natürlich kein mechanisches Problem und die Trimmpotis auf der Generatorplatine möchte ich auch ausschließen.
Hat jemand noch eine Idee?

Gruß Klaus
fritze67
Ich habe jetzt keinen Schaltplan zur Hand. Aber ich gehe davon aus, dass der Generator dem des Granat 216 ähnelt.
Da gibt es dann 2 Einstellregler, die für 33 Umdr/min zuständig sind.
Wenn Du die und die Mechanik aber ausschließt, bleibt eigentlich nur der Schalter für "33".

Ronald
Steffen
Hallo Klaus,

entweder ist einer der beiden Einstellregler für 33 nicht in Ordnung (Nieten o.ä.) oder der Umschalter hat Übergangswiderstand, viel mehr kann es eigentlich kaum sein, wenn 45 ordentlich geht.

Edit: Es kann auch sein, daß an der Mechanik etwas schwer geht, verharztes Fett etc., dann kann es auch sein, daß die schnellere Geschwindigkeit noch halbwegs funktioniert!

Steffen
Phonoton
Guten Abend,

genau, der Generator ist der gleiche. Der 227 hat aber einen anderen Entzerrer-VV verbaut, da als Abtastsystem nunmehr ein 1/2" System (z.Bsp. MS27, VM2102) zum Einsatz kam. Die Aufhängung des Subchassis wurde auch leicht geändert, aber das nur am Rande.

Zu deinem Problem: Ich hatte mal das Phänomen, dass die Platte nach dem Einschalten immer viel zu schnell lief und erst nach einem Wechsel auf 45U/min und zurück zu 33U/min wieder seine korrekte (abgleichbare) Drehzahl hatte. Eine Reinigung des Schalters hatte damals das Problem gelöst.

Wenn das nicht hilft, würde ich so vorgehen:
  • Antriebspese überprüfen -> darf nicht rutschen
  • Leitungen zwischen Generator und Motor prüfen -> sollten niederohmig sein
  • Versorgungsspannung des Generators prüfen -> 14V am Eingang und 8,2V an MP1 (ist 8,2V abweichend, Z-Diode und R15 prüfen)
  • Stromaufnahme des Generators ohne Anlaufbeschleunigung prüfen (33U/min ~225mA / 45Umin ~190mA
  • Generator abgleichen -> siehe Service Manual (4.7.2.3)
  • Leitungen zwischen Generator und Motor prüfen -> sollten niederohmig sein
  • alle Elkos auf der Generatorplatine prüfen (Kapazität + ESR)

Das Service Manual mit Stromlaufplan hab ich da (bitte PN an mich wenn benötigt). Falls das alles in Ordnung ist schauen wir mal weiter.

VG Uwe

[Edit]
Für den Fall das 45U/min wirklich fehlerfrei läuft, sind die Prüfpunkte der Liste eigentlich fast schon überflüssig. Schaden kann es aber nicht, diese Rahmenbedingungen abgesichert zu Wissen.
KB100
Vielen Dank für eure Hinweise.

Dann werde ich mir als nächstes mal den Schalter vornehmen. Da hatte ich eigentlich auf Selbstreinigung gehofft. Die Potis hatte ich schon gereinigt so gut es im eingebauten Zustand geht (Wattestäbchen und Tunerspray). Insbesondere R 5 und R 30. Bei Betätigung von R 5 reagiert die Geschwindigkeit sofort. Ja und bei 45 RpM hat es tatsächlich noch nie geleiert. Darum hatte ich ja den Test mit den Maxi-Singles gemacht.

Klaus
Steffen
Hallo Klaus,

das Reinigen der Potis führt hier selten zum Erfolg. Je nach Bauart kann es sein, daß diese am Drehpunkt auseinanderfallen oder die Nietstellen von der Widerstandsbahn zu den Anschlüssen oxidieren und Kontaktschwierigkeiten machen.

Steffen
KB100
Hallo Steffen,

ich versuche jetzt mal den Schalter zu reinigen. Wenn das auch nicht hilft werde ich die Trimmer wechseln. Mal sehen, wo ich die her bekomme. In der Bucht werden nicht alle in Frage kommenden Werte angeboten.

Klaus
Steffen
Hallo Klaus,

Du mußt die nicht gleich ersetzen, schau sie Dir an, wenn sie noch nicht zerfallen sind und es welche sind, wo die Anschlußstücken an der Bahn angenietet sind, dann hilft oft nachnieten. Also auf feste Unterlage legen und mit Körner oder Dorn und vorsichtigen Hammerschlägen nachnieten. Manchmal geht es auch im Schraubstock ganz gut, einfach mal nachzupressen. Aber immer vorsichtig, nicht daß Du die Widerstandsbahn zerdrückst.

Steffen
KB100
Hallo Steffen,

endlich ist es vollbracht. Ich habe zunächst. Die Trimmer R30 und R31 erneuert. danach Probelauf. Gleich beim 2. Titel ist die Geschwindigkeit eingebrochen. Daraufhin habe ich noch R5 durch einen neuen ersetzt. Wieder Probelauf. Beim vorletzten Titel schlug meine Freude über den nunmehr tadellosen Gleichlauf allerdings in Frust um. Die Geschwindigkeit brach auch jetzt wieder ein.
Zwar verabschiede ich mich von meiner Annahme eines Wärmefehlers, denn beim ersten Versuch trat der Fehler ja sehr schnell auf.
Was kann es denn nun noch sein?

Klaus
Steffen
Hallo Klaus,

sieh mal nach, was für Endstufentransistoren im Motorgenerator sind. Wenn das die Blechnäpfe sind, ersetz die mal, die machen gern mal sporadische Aussetzer. Das erklärt zwar eigentlich nicht, warum der Fehler nur bei 33 auftritt, aber manchmal gibts auch unerklärbare Phänomene. Vielleicht reicht bei 45 der Schwung der höheren Drehzahl aus, um den Fehler zu vertuschen.

Ansonsten mal alle Cs rauswerfen und ersetzen im 33er Teil.

Steffen
KB100
Hallo Steffen, die Endstufentransistoren auf dem Kühlkörper habe ich mal fotografiert. Es gibt ja so viele verschiedene Bauformen, dass ich nun nicht weiß, welche du als Blechnäpfe bezeichnest. Gibt es da passende Austauschtypen oder müssen es dieselben sein? Ein weiteres Foto zeigt den Rest der Platine. Vielleicht siehst du ja da ein Teil, dass erfahrungsgemäß auf jeden Fall ersetzt werden sollte (z.B. besondere Cs).

Klaus
Steffen
Hallo Klaus,

diese ACs sind eigentlich eher unverdächtig. "Blechnäpfe" waren dann die SF126 und ähnliche, die hatten das Problem, daß sie im Laufe der Zeit Luft ziehen und im Innern weggammeln, was zu seltsamen Aussetzern führt.
Die ACs kenn ich nur funktionierend oder halt kaputt, Aussetzer hatte ich da noch nie.
Ich würde ggf. auf die gewickelten Folien-Cs tippen.

Edit: ich tippe aber immer noch auch auf die Umschaltkontakte. Überbrück die mal in Stellung 33 mit einem Draht und teste dann, ob der Fehler noch auftritt.

Steffen
Gertl
Hallo Steffen,

sorry erstmal für kurz Offtopic...
Die AC187/188? war doch ein npn/pnp Paar in der Endstufe vom KT100?
Irgendwelche GC Typen gabs da auch. Wenn die im KT100 drin sind, bekommt man die noch? Welche Ersatztypen könnte man nehmen?

Danke und weiter mit dem Plattenspieler...

vG
Gertl
ggrohmann
Hallo!

Zitat:
Original von Gertl
Die AC187/188? war doch ein npn/pnp Paar in der Endstufe vom KT100?


Ja, und im R160 und im Anett (1. Serie) sind die auch drin. Es braucht also niemand einen KT100 deswegen zu schlachten. Schlachte-Chassis vom R160 hab ich beispielsweise noch genug da.

Guido
Goofi
Hallo Gertl,

außer in den genannten auch im Stern Dynamic (außer 2220IC), Stern Elite N/2000/2001, Stern Automatic, alle Prominente, Radeberg74, Chic, Saturn u. a. Heimradios.

Neu gibt es die noch in der Bucht, aber leider überteuert.

VG René
KB100
Ich hatte mal in der Bucht nach den Transen gesucht. Es gab sie teuer aber auch zu vernünftigen Preisen.

Habe nun mal die entsprechenden Kontakte am 33er Taster kurzgeschlossen. Wie immer ging es ein paar Minuten gut. Dann knickte die Geschwindigkeit kurz ein, so als wäre jemand mit dem Finge an den Rand des Plattentellers gekommen, anschließend ging es normal weiter bis zum nächsten Jauler.
Nachdem ich aus lauter Jux und Dollerei die Platte noch einmal gestartet habe ist der Plattenteller sogar für den Bruchteil einer Sekunde ganz stehen geblieben. Dann hat er sich wieder auf Nenngeschwindigkeit hochgefahren.
Da bin ich nun mit meinem Latein am Ende.

Klaus
Goofi
Hallo Klaus,

alle fraglichen Elkos hast Du hoffentlich getauscht oder zumindest geprüft? verwirrt

VG René
KB100
Hallo René,

da bin ich überfordert. Es sind auf der Platine sehr viele Elkos, wenn ich richtig gezählt habe 12, und meine Kenntnisse reichen nicht so weit, dass ich wüsste welches die fraglichen sind.
Dann müsste ich die Platine ja gleich komplett neu bestücken.
Kann man der Sache nicht auch messtechnisch zu Leibe rücken oder was habe ich noch für Möglichkeiten?

Klaus
Goofi
Hallo Klaus,

fraglich sind alle "Schneemänner" und sowjetischen (also kyrillisch beschriftete Alubecher und axiale) Elkos. Diese sind grundsätzlich zu ersetzen.

Bei allen anderen (axiale Frolyt, Tesla, EI, ITT oder neuere stehende blaue und schwarze Frolyt oder KEA) genügt i. d. R. eine Prüfung mit dem Multimeter, d. h. Kapazitätsmessung oder wenn nicht vorhanden Prüfung auf Kurzschluss (Ohm-Bereich oder Durchgangsprüfung) nach einseitigem Hochlöten.

VG René
Steffen
Hallo Klaus,

ich muß mich da wiederholen, was ist mit den gewickelten Folien-Cs? Darauf bist Du gar nicht eingegangen. Falls diese an den Ansachlußbeinchen einen Kontaktierungsfehler haben, führt das genau zu diesem Fehlerbild.
Also eh Du irgendwelche Elko-Wechsel-Orgien veranstaltest, bitte mal die Folien-Cs ersetzen.
Wenn natürlich Schneemänner oder Russen drinnen sind, unbedingt raus, ganz klar. Aber die verursachen eher statische Fehler. Solche "mal gehts, mal nicht" sehen nach Kontaktierungen innerhalb von Bauelementen aus.

Steffen