SP3001 Entzerrer anpassen

KB100
Hallo,

ich habe mal wieder meinen SP 3001 an den Toccata angeschlossen, der seit ein paar Tagen über BR50 Boxen mein Zimmer beschallt.
Vor einiger Zeit habe ich den SP mit einem Shure-System M44-7 ausgerüstet, weil ich das gerade "herumliegen" hatte. Es war mal in meiner Musikbox drin.

Nun meine Frage: Die Sache klingt ja nicht schlecht, kann aber vielleicht doch verbessert werden, wenn man den Entzerrer-Verstärker aus dem SP an das Shure-System anpasst. Nach den Daten habe ich mal gegurgelt und folgendes gefunden:

Wide diameter styli for reduced record wear
Optimum Load: 47 k©, 400-500pF
Inductance: 720 mH
Channel separation: 20 dB at 1 kHz
Frequenzgang: 20 – 20.000 Hz
Ausgangsspannung: (5cm/s) 9,5 mV
Enpfohlene Auflagekraft: 2 g
Gewicht: 6,7 g

Interessant dabei sind sicher die Angaben 47 k© und 400-500pF. Am Eingang des Entzerrers sind je Kanal 1 Kondensator parallel geschaltet. Sollten die diese Kapazität haben oder wie ist das zu verstehen? Ich habe keine Ahnung aber davon recht viel.
Wer kann mich aufklären, was zur Anpassung nötig wäre?

Danke schon mal.
Gruß Klaus
Goofi
Hallo Klaus,

die genannten Angaben sind Lastimpedanz und Lastkapazität. Erstere bildet die Eingangsimpedanz des Entzerrers. Letztere setzt sich zusammen aus Eingangskapazität und Kabelkapazität. Mein (ebenfalls Shure-) Abtaster hat ähnliche Werte und mit 330pF am Eingang klingt er nach meinen Empfinden am besten.

Messtechnisch habe ich das aber nicht betrachtet.

VG René
kampfruderer
Hallo Klaus,

nach einer Applikationsschrift eines großen Halbleiterherstellers zum Thema sollte die Lastkapazität so abgeglichen sein, daß sie mit der Induktivität des Tonabnehmers eine Resonanzfrequenz von ca. 16kHz ergibt.

Die Induktivität ist angegeben oder wird gemessen (mit RFT 221-3 z.B.)., dann kann man die dazugehörige Kapazität für 16kHz ausrechnen. Nicht vergessen, die Leitungskapazität am Tonabnehmer zu berücksichtigen (am besten auch messen).

Mit dieser Art der Auslegung habe ich mehrere SP3001 und andere Geräte bzw. deren Phonoeingänge mit gutem Erfolg abgestimmt.

Gruß
Christian
KB100
Hallo René,

lt. meinen Unterlagen sind am Eingang des Entzerrers je Kanal ein C mit 220pF verbaut. Was passiert eigentlich mit dem Klang, wenn man die z.B. auf die von Dir genannten 330pF erhöht? Wird der Klang eher dunkler oder höher/brillianter?

@ Christian,

ein entsprechendes Messgerät habe ich nicht. Die Induktivität des Systems habe ich ja angegeben. Die Leitungskapazität ist, wie ich annehme, von der Leitungslänge abhängig, die, wie ich vermute, bei gleichartigen Geräten etwa gleich sein wird.
Weiter kenne ich auch die Formel nicht, nach der man daraus die entsprechende Kapazität für 16kHz berechnen kann. rotes Gesicht
Vielleicht könntest Du mir die Formel mal mitteilen und/oder für mich ausrechnen, wenn Du diesbezüglich schon beim 3001 Erfahrungen gesammelt hast.

Gruß Klaus
Goofi
Zitat:
Original von KB100
Was passiert eigentlich mit dem Klang, wenn man die z.B. auf die von Dir genannten 330pF erhöht?


Kommt auf die Induktivität des Abtasters an. Bei mir wurde der Klang hörbar brillianter.

Zitat:
Weiter kenne ich auch die Formel nicht, nach der man daraus die entsprechende Kapazität für 16kHz berechnen kann. rotes Gesicht


Die Formel ist die für die Resonanzfrequenz eines Schwingkreises, siehe

Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar

Die muss natürlich nach C umgestellt werden. Zur Berechnung gibt es übrigens sogar eine kostenlose Android-App, genannt LC-Circuit. Augen rollen

VG René

PS: Übrigens messen die günstigen Link nur für registrierte Mitglieder sichtbar auch recht brauchbar Induktivitäten.
kampfruderer
Hallo Klaus,

René hat ja schon das wichtigste geschrieben: den Verweis auf die Formel und wie sich die Abstimmung äußert. Warum sich das so äußert: mit der Resonanz erzielt man eine Anhebung am oberen Ende des (realistischen) Übertragungsbereichs und erweitert diesen auf die Weise noch etwas.

Nach der Schwingungsgleichung kämen für deinen Tonabnehmer etwa 120pF heraus. Einzubauen wären dann etwa 100, da die Leitung im Gerät recht kurz ist und auch der Verstärker noch eine "unsichtbare" Kapazität hat. Normale Diodenleitung hat etwa 100 ... 120pF pro Meter.

Gruß
Christian

PS: Das gleiche wird auch in Magnettongeräten gemacht. Bei Tonbandgeräten mit mehreren Geschwindigkeiten wird dieser Kondensator auch umgeschaltet, da sich ja unterschiedliche Grenzfrequenzen ergeben.
KB100
Hallo Christian,

erstmal danke für die Angaben. Ich hatte nach Umstellung der Formel nach C rund 138 pF errechnet. Da lag ich ja dann gar nicht so weit weg. smile

VG Klaus
kampfruderer
Hallo Klaus,

hattest du schon Tests mit verschiedenen Lastkapazitäten unternommen?
Wenn ja, laß uns das Ergebnis bitte wissen.

Viele Grüße
Christian
KB100
Hallo,

ich musste leider feststellen, dass ich weder ~100pF noch ~330pF Kondensatoren in meinen Kästchen habe. Die muss ich erst beschaffen. Das hatte aber bisher keine Priorität, weil ich ~ 15 Plattenspieler habe und von daher nicht dringend einen zurecht machen muss. Wenn es dann aber mal so weit ist, werde ich das Ergebnis kundtun.

Gruß Klaus
fritze67
Ich hole das noch mal hoch. Der SP3001-Entzerrer hat keinen Widerstand am Eingang im Gegensatz zum PA1203. Sollte man den nachrüsten?

Gruß
Ronald
Goofi
Nein Ronald,

die Transistorschaltung des SP3001 hat nach SA eine Eingangsimpedanz von 56 kOhm. Die Eingangsimpedanz eines gegengekoppelten nichtinvertierenden OV wie im PA liegt dagegen bei einigen Megaohm. Daher wird das System mit dem 68 kOhm-Widerstand definiert abgeschlossen.

VG René
fritze67
Kann es sein, dass bei der Beschreibung in der SA die Nummern der Widerstände nicht zum Schaltplan passt?

Ronald
Goofi
So wird es sein, Ronald. Da es in der Stückliste keine R101/151 gibt ist es entweder ein Druckfehler oder (wahrscheinlicher) eine nachträgliche Umbenennung. Aus welchen Gründen auch immer...

Ich nehm an, es sind R112 und 162 gemeint.

Schönen Sonntag noch - René
Steffen
Hallo,

ich denke mal, hier sind verschiedene Stände durchmischt. Der SP 3001 hatte das System MS 25/27 mit Entzerrer verbaut. Der SP 3003 hatte dann das VM2102/2103 mit Entzerrer. Der Entzerrer wurde in der Eingangsbeschaltung geändert, evtl. sind das die Bauelementebezeichnungen der verschiedenen Varianten, die hier durcheinandergekommen sind.

Steffen
Phonoton
Hallo,

auch wenn der Post schon einige Monate zurückliegt, möchte ich hier noch mal nachhaken. Mir ist aufgefallen, dass im SP3001 und im Granat227 die gleiche Entzerrerplatine benutzt wird. Beim Granat227 sind 6,8K+39K für die Lastimpedanz und 390pF für die Lastkapazität angegeben. Da sowohl der Grant227 sowie auch der SP3001 ursprünglich mit dem MS25/27 bestückt war, stellt sich mir die Frage, warum beide Plattenspieler trotz des gleichen Systems unterschiedliche Anpassungen in ihren Entzerrern hatten. Eventuell sind die 56K/220pF schon für das VM2102/2103 ausgelegt. Es könnte sich aber auch um eine Änderung im Sinne des technischen Fortschritts handeln.

VG Uwe
Phonoton
Nachtrag;
Das Datenblatt des MS25 gibt über den empfohlenen Lastabschluss leider keine Auskunft.

VG Uwe